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Fafner, der wilde Wurm, lagert im finst´ren Wald ...
LESE- UND HÖRTIPPS

Buhl, Krimi:
Eiskalte Bescherung : Krimi / Krimi Buhl.- Neuausg.
Düsseldorf : ECON-Taschenbuch-Verl., 1997. - 307 S.
(ECON ; 25986 : ECON-Krimi)
ISBN 3-612-25986-5 BESTELLEN

Ein Lesetipp aus der Bibliotheksschule der Bayerischen Staatsbibliothek <München>. Empfehlenswert nicht nur für (angehende) Bibliothekare! - Weihnachtsfeier in einer Bücherei: Statt Geschenken gibt es dieses Jahr eine Leiche zur Bescherung.

Bibliothekar im Film DER NAME DER ROSELeseprobe:"Unser Betrieb ist eine öffentliche Bücherei, und das ist im allgemeinen nicht das Terrain, wo Mörder sich die Klinke in die Hand geben wie in den Vorzimmern der militärischen Abwehrdienste. Eine Klosterbibliothek wie bei Umberto Eco als Brutstätte für Mörder mag einleuchten: wo in der dumpfen Enge mönchischer Klausur Triebe unterdrückt, die Leidenschaften in starre Rituale gepreßt werden. Da kann schon mal unter der dünnen Oberfläche aus Askese und Sublimation ein Machtgelüst zur idée fixe herangären, bis plötzlich einer der Brüder über einen vorstehenden Nagel stolpert und dem Fallgesetz entsprechend das Treppenhaus durchmißt ...".

Fazit: Äußerst realitätsnah! - Ein Krimi, so ganz aus dem Leben gegriffen! Deshalb: 




Shaw, George Bernard:
Ein Wagner-Brevier : Kommentar zum Ring des Nibelungen / Bernard Shaw. -
Aus d. Engl. von Bruno Vondenhoff. Mit einem Vorw. von Joachim Kaiser. -
Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1989.- 196 S.
(Bibliothek Suhrkamp ; 337)
EST: The perfect Wagnerite <dt.>
ISBN 3-518-01337-8 BESTELLEN

Vor 11 Jahren - noch auf dem Weg zum  perfect Wagnerite - hatte ich Shaw´s geistreichen Kommentar erstmals gelesen, und ihn auf dem Weg zum Jahrtausendring wieder hervorgekramt. - Und wieder konnte ich den treffenden Worten Thomas Mann´s einfach nur zustimmen: »Shaws "The Perfect Wagnerite" unterscheidet sich durch seine luzide Klugheit höchst vorteilhaft von dem tiefensüchtigen Brimborium der denkenden Wagner-Exegese.«

Natürlich: , keine Leseprobe, sondern gleich einen kompletten download  (pdf / 379k / engl.) !

Drücken Sie hierzu ... der Niblungen Hort, hütet er dort. bitte den Drachen!




Utopia Triumphans:
The Great Polyphony of the Renaissance: Tallis - Spem in alium ; Porta - Sanctus et Agnus Dei ; Desprez - Qui habitat ; Ockeghem - Deo gratias ; Manchicourt - Laudate dominum ; Gabrieli - Exaudi me domine ; Striggio - Ecce beatam lucem. -
Huelgas Ensemble, Paul Van Nevel
Sony Vivarte SK 66 261 - 52:46 Minuten, DDD BESTELLEN

Es gibt nur ganz wenige CDs, die - je öfter man sie hört - immer besser werden. Diese ist eine davon!

1516 schuf der hl. Thomas More (1477-1535) das Wort Utopia aus den griechischen Wörtern für "nirgends" und "Ort" (des Glücks), und in seinem  gleichnamigen Werk kultivierte er ein Suchen und Streben nach diesem Ort. Und wenn Sie sich mit auf die Suche machen wollen, dann werden Ihnen diese visionären und grandiosen Musikstücke bestimmt weiterhelfen! Verborgene Bilder und imaginäre Welten, die an die Oberfläche kommen - raffinierteste Klangkombinationen und polyphone Effekte - sind vielleicht das spannendste Erlebnis beim Hören der vorliegenden Aufnahme. Auf der Suche nach neuen Horizonten haben die Komponisten der Renaissance etliche außergewöhnliche Werke geschrieben, für ungewohnt große Besetzungen und für seltene Stimmkombinationen. Neben den beiden vierzigstimmigen (!) Mammutchorwerken "Spem in alium" von Thomas Tallis und "Ecce beatam lucem" von Alessandro Striggio wird unter anderem ein 36stimmiger Kanon mit Namen "Deo gratias" geboten (als Komponist wird Johannes Ockeghem vermutet). 

Paul Van Nevel, als Dozent für frühe Musik in Amsterdam und Genf tätig, gründete das Huelgas Ensemble (mein persönliches Lieblings-Ensemble, neben dem Choir of Westminster Cathedral und natürlich dem Bayreuther Festspielchor) im Jahre 1970. "Utopia Triumphans" bietet nicht nur ein außergewöhnliches Hörerlebnis mit geradezu hypnotischer Wirkung (mit Gänsehaut-Effekt, wenn man sich darauf einzulassen vermag) - auch das Booklet ist äußerst ergiebig und kurzweilig zu lesen. Für die Klangtechnik gilt ebenfalls: Nur das Beste vom Besten! Wertung: 




Zander, Hans Conrad:
Von der Leichtigkeit der Religion : kleine katholische Kalorienkunde ;
acht ausgewählte Geschichten / Hans Conrad Zander. -
2. Aufl. - Düsseldorf : Patmos-Verl., 1999. - 109 S.
ISBN 3-491-72413-9 BESTELLEN

Religion ist keine Bühne für tragische Wichtigtuerei, sondern für himmlisch leichte Unterhaltung. Das ist die These, die Hans Conrad Zander scharfsinnig vertritt und mit acht Realkomödien aus der katholischen Geschichte exemplarisch belegt. So ist es zum Beispiel nicht tragisch, wenn ein Christ den Glauben verliert, vorausgesetzt, er verliere ihn nach der Methode des heiligen Thomas von Aquin. Es ist auch nicht tragisch, wenn eine Christin ihre Keuschheit verliert, vorausgesetzt, sie verliere sie so schön wie einst die keusche Heloise. Ganz und gar nicht tragisch ist die christliche Askese, vorausgesetzt, man faste streng nach der 6882-Kalorien-Regel mittelalterlicher Mönche. These: Religion ist keine menschliche Tragödie, sondern eine göttliche Komödie.
 
 

Leseprobe: "Den nächsten Ratschlag des heiligen Thomas gebe ich nur mit einem konfessionellen Vorbehalt wieder. Als besonders wirksames Heilmittel gegen depressive Zustände im Falle eines schweren und schmerzlichen Verlustes empfiehlt der große Dominikaner »lacrymae et gemitus - Tränen und Seufzer«. Katholischen Lesern wird dieser Ratschlag von großem Nutzen sein. Anders ist es mit Menschen evangelischer Erziehung. In der Kindererziehung des protestantischen Bürgerhauses wird ja der körperliche Ausdruck der Trauer, vor allem das Weinen, von früher Kindheit an scharf tabuiert, so dass - nach den Erfahrungen in meinem Verwandtenkreis jedenfalls - protestantische Erwachsene meist unfähig sind zu weinen, ja oft sogar unfähig zu seufzen. Eine Glaubenskrise ist aber nicht der Augenblick, um alles wieder in Ordnung zu bringen, was sich in frühester Kindheit falsch entwickelt hat. So ist es sinnlos, dass eine protestantische Seele sich hilflos bemüht zu weinen, obwohl sie das gar nicht kann. Daher die besondere Formulierung unserer Regel Numero vier: IM FALLE EINER RELIGIÖSEN LEBENSKRISE ÜBERLASSEN WIR UNS, FALLS WIR KATHOLISCH ERZOGEN SIND, DEM LÖSENDEN FLUSS DER TRÄNEN. FALLS WIR EVANGELISCH ERZOGEN SIND, VERSUCHEN WIR WENIGSTENS, EIN BISSCHEN ZU SEUFZEN."





Abaelardus, Petrus:
»Historia calamitatum«und Briefwechsel mit Heloise (geschrieben um 1135)
Die »S..-and-Crime-Story« des Mittelalters schlechthin! BESTELLEN

Petrus Abaelard (1079-1142) war eine der schillerndsten Gestalten im Frankreich des 12. Jahrhunderts. Seine wissenschaftliche Methode trug zur Entwicklung der Scholastik, seine Schulgründung zur Entsehung der Universität von Paris bei. Über seinen Lebensweg sind wir durch die autobiographische »Historia calamitatum«(Leidensgeschichte) bestens unterrichtet. 
     Die historia ist ein Brief an einen unbekannten Freund, der offenbar in einer schlimmen Lage ist. Abaelard antwortet zum Trost - so ganz unbekannt ist uns ja das allen nicht - mit seiner eigenen Leidensgeschichte, um zu zeigen, dass es ihm noch viel schlimmer ergangen sei:

Der hochbegabte und ehrgeizige Sohn eines Ritters betrieb Theologie und Philosophie (Dialektik) mit der Unerbitterlichkeit eines Tunierkämpfers, wodurch er sich zwar bei seinen Lehrern und Kollegen immer wieder äußerst unbeliebt machte, dafür aber mit großem Erfolg zum (akademischen) Superstar von Paris (Leiter der Hochschulen) forcierte. - Da begegnet er der 22 Jahre jüngeren Heloise. Abaelard begründet genau, warum er sich zielstrebig an die 17-jährige Nichte des cholerischen Domherrn Fulbert, heranmacht: Sie ist nicht nur schön, sondern auch gebildet, so dass man sich - selbst wenn man getrennt ist - praktischerweise Briefe schreiben kann. Der geizige Fulbert ist begeistert, als ausgerechnet der berühmte Abaelard bei ihm zur Miete wohnen will und anbietet, obendrein noch kostenlos als Hauslehrer für Heloise zur Verfügung zu stehen. Es kommt, wie es kommen muss:

Leseprobe: "Primum domo una coniungimur, postmodum animo. Sub occasione itaque discipline, amori penitus vaccabamus, et secretos recessus, quos amor optabat, studium lectionis offerebat. Apertis itaque libris, plura de amore quam de lectione verba se ingerebant, plura erant oscula quam sententie; sepius ad sinus quam ad libros reducebantur manus, crebrius oculos amor in se reflectebat quam lectio in scripturam dirigebat. Quoque minus suspicionis haberemus, verbera quandoque dabat amor, non furor, gratia, non ira, que omnium ungentorum suavitatem transcenderent. Quid denique? Nullus a cupidis intermissus est gradus amoris, et si quid insolitum amor excogitare potuit, est additum; et quo minus ista fueramus experti gaudia, ardentius illis insistebamus, et minus in fastidium vertebantur." (Anmerkung: Eine immer noch empfehlenswerte Methode um Kinder und Jugendliche vor pikanten Details zu schützen!) Die Qualität der Vorlesungen des schlecht ausgeschlafenen Abaelard lässt nach. Er wendet sich, wie immer mit Riesenerfolg, der Lyrik zu. Den Studenten ist bald klar, was los ist. Bloß Fulbert kriegt monatelang nichts mit. Schließlich aber doch, woraufhin Abaelard natürlich aus dem Haus geworfen wird. Sein Ruf hat gelitten. Die Liebenden sind getrennt. Und: Heloise ist schwanger! Abaelard entführt Heloise eines Nachts und bringt sie aufs Land zu seiner Schwester, wo das Kind zur Welt kommt. Fulbert tobt vor Wut, kann aber Abaelard schlecht umbringen lassen, solange Heloise in der Obhut von dessen Familie ist. Abaelard verhandelt mit ihm: Er müsse schon entschuldigen, die Liebesmacht (vis amoris), und überhaupt, die Frauen... Das Verhandlungsergebnis: Abaelard ist bereit Heloise zu heiraten, unter der einzigen Bedingung, dass die Ehe geheimgehalten werde, um seine weitere kirchliche Karriere nicht zu gefährden. Fulbert ist einverstanden. Heloise ist gegen die Heirat. Sie will lieber Abaelards Geliebte bleiben und begründet mit einer überzeugenden, stilistisch perfekten und von Zitaten strotzenden Rede, dass es für einen Philosophen absurd sei, zu heiraten:   "Schüler und Kammerzofen, Schreibtisch und Kinderwagen! Bücher und Hefte beim Spinnrocken, Schreibrohr und Griffel bei den Spindeln! Wer kann sich mit Betrachtung der Schrift oder mit dem Studium der Philosophie abgeben und dabei das Geschrei der kleinen Kinder, den Singsang der Amme, der sie beruhigen soll, die geräuschvolle Schar männlicher und weiblicher Dienstboten hören? Wer mag die beständige widerliche Unreinlichkeit der Kinder gern ertragen? Reiche Leute wissen sich in dieser Beziehung zu helfen, das gebe ich zu, denn sie sind in ihren fürstlichen Räumen nicht beschränkt, sie brauchen in ihrem Überfluss nicht auf die Kosten zu sehen und die Sorge ums tägliche Brot liegt ihnen fern. Allein die Lage der Philosophen ist eine andere als die der Reichen und wiederum: wer nach irdischen Schätzen trachtet und in die Sorgen dieser Welt verwickelt ist, hat keine Zeit für göttliche oder philosophische Dinge". (Anmerkung: Diese für Eltern gut nachvollziehbare Argumentationskette sollten sich ganz besonders auch Kinder und Jugendliche zu Herzen nehmen!) Abaelard lässt sich nicht warnen, und Heloise bleibt letztlich keine Wahl. Das Kind bleibt auf dem Land, die beiden heiraten in Paris in Anwesenheit Fulberts. Beide wohnen getrennt, Heloise wieder bei Fulbert. Der erzählt gegen die Abmachung von der Heirat herum, Heloise leugnet die Heirat ab, Fulbert verprügelt sie. Abaelard lässt Heloise (offenbar wiederum heimlich) zu ihrem Schutz in das Kloster bringen, in dem sie erzogen wurde. Um der Tarnung willen trägt sie dort auch Nonnentracht. Als Fulbert hört, dass Heloise in Nonnentracht im Kloster ist, meint er, Abaelard habe sie als Nonne ins Kloster gesteckt, um sie loszuwerden, und dreht vollkommen durch. Er beauftragt einige finstere Gesellen, Abaelard zu überfallen (ob er selbst dabei ist, wird nicht ganz klar): "... nocte quadam quiescentem me atque dormientem in secreta hospitii mei camera, qoudam mihi serviente per pecuniam corrupto, crudelissima et pudentissima ultione punierunt, et quam summa admiratione mundus excepit: eis videlicet corporis mei partibus amputatis, quibus id quod plangebant, commiseram."

"Nachdem sie meinen Diener durch Geld gewonnen hatten, nahmen sie eines Nachts, als ich ruhig in meiner Kammer schlief, die denkbar grausamste und beschämendste Rache an mir, so dass alles darüber entsetzt war: sie beraubten mich dessen, womit ich begangen hatte, worüber sie klagten."
 

Zwei der Attentäter werden gefasst, sie werden selbst kastriert und geblendet, das Volk bedauert Abaelard. Dieser nimmt sein Schicksal bereitwillig als gerechte Strafe an und geht nach dem peinlichen Vorfall - zugegebenermaßen ohne rechte Überzeugung - ins Kloster:
"In dieser elenden Verzweiflung trieb mich weniger ein Verlangen nach Bekehrung - ich gestehe es offen - als die Verlegenheit meiner Scham in den bergenden Schutz der Klostermauern. Heloisa hatte schon vorher auf mein Geheiß bereitwillig den Schleier genommen und war ins Kloster gegangen. Und so trugen wir nun beide das geistliche Gewand: ich in der Abtei von St. Denis, sie im Kloster von Argenteuil ...".

"Ist die glänzende Karriere Abaelards damit etwa endgültig beendet?" - werden sich viele Männer jetzt fragen. - "Wie sieht es denn jetzt mit der Liebe aus?" - Eine Frage, die besonders Frauen interessieren könnte... Aber lesen Sie doch einfach eine der spannendsten und ergreifendsten Autobiographien der Weltliteratur (mitsamt dem leidenschaftlichen Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloise) selbst zu Ende!

Leidensgeschichte (Historia calamitatum)
Briefwechsel mit Heloise



 
 


HOMEPAGE DER ERZABTEI ST. OTTILIEN
UT IN OMNIBUS GLORIFICETUR DEUS
2006 by P. Siegfried Wewers OSB
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