LANDSBERGER TAGBLATT
Montag, 16. Dezember 2002
Eine Madonna im rosa Kleid
St. Ottilien zeigt KrippenSt. Ottilien (löb).
Zum mittlerweile sechsten Mal lädt das Kloster Sankt Ottilien zu einer Krippenausstellung. Das erste Mal sind die Darstellungen der Geburt Christi, von Bruder Anselm im Lauf der Jahre aus aller Welt zusammengetragen, auf der Galerie des neuen Klosterladens aufgebaut worden.Eine Madonna im rosa Kleid? Ein abwegiger Gedanke für uns, die wir die Muttergottes nur im blauen Mantel kennen. Auch Bruder Anselm gesteht, dass er das „geändert haben wollte" und nur mit Korea Vertraute hätten ihn davon abgebracht. Dort, hat er erfahren, trägt jede Mutter, solange sie ihr Kind stillt, einen rosaroten Kimono. Und genauso ist die Maria in der koreanischen Figurenkrippe gewandet, einer Auftragsarbeit, die heuer das erste Mal ausgestellt ist. Für gewöhnlich gebe es dort keine figürliche Darstellung, erläutert Bruder Anselm, Korea und Japan beschränkten sich auf Seidenstickerei und Seidenmalerei.
Auch eine Krippe aus Korea kann in der Ausstellung in Sankt Ottilien bewundert werden. BILD: Romi Löbhard Und auch davon hat der Benediktinermönch einige wertvolle Exemplare. Neben den fernöstlichen Krippen haben die südamerikanischen und afrikanischen Darstellungen von der Geburt Jesu eine weite Reise hinter sich. Fröhlich bunt leuchten die Männer und Frauen, die das Kind anschauen wollen, in ihren kaschierten Gewändern. „Das ist", erklärt Bruder Anselm, „in Leim getränkter Stoff, der nach dem Trocknen bemalt wurde." Ganz anders wirken die afrikanischen Exponate. Hier herrschen tropische Hölzer vor, ungefasst und zum Teil auch unpoliert. Hier hat der Krippensammler sein Lieblingswerk, Figuren aus Tansania, „die eine große Ruhe ausstrahlen" und die er sich an Weihnachten nach Möglichkeit ins Zimmer stellt.
Lebendiges Olivenholz
Das sehr lebendige Olivenholz prägt eine Krippe aus Israel im Nahost-Schaukasten, besonders stolz ist Bruder Anselm aber auf ein Relief aus dem Libanon. Die Heilige Familie wurde hier in den Stamm einer Zeder eingebettet. Klitzekleine Tonfigürchen, mit viel Liebe zum Detail bemalt, das sind „Santos" aus der Provence. Auch solch eine Krippe ist zu sehen, neben einer kostbaren Silberkrippe aus Malta und der Darstellung in einem Perlmuttstern. Von unseren östlichen Nachbarn glitzern „Zopkas" in Schaukästen, das sind Figuren aus Pappe, mit Stanniol umwickelt. Den größten Raum nehmen Krippen aus Bayern und den angrenzenden Alpenländern ein. Auffällig sind hier einige von Hannes Schmid aus Kempten gefertigte Bauten rund um die Krippe. Dieser „Stallbauer" legt größten Wert auf Originalität, benützt alte Hölzer und verwitterte Steine. Bruder Anselm hat seit der ersten Ausstellung 1982, als neben einer großen Briefmarkensammlung „nur eine einzige eigene Krippe" zu sehen war, eine Unzahl Krippen aufgestöbert oder aus Nachlässen geerbt. So sind jetzt etwa 180 Krippen in Sankt Ottilien, von dem Mönch liebevoll gepflegt und vervollständigt worden. Besichtigen kann man die Sammlung zu den Öffnungszeiten des Klosterladens: Montag bis Freitag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr.