LANDSBERGER TAGBLATT
12. Dezember 2004
Die ganze Welt blickt auf Weihnachten
Erzabtei St. Ottilien stellt in ihrer Galerie Krippen ausSt. Ottilien. - Unzählige Beispiele von Volksfrömmigkeit reihen sich in der Galerie des Klosterladens in St. Ottilien aneinander. Krippen aus aller Welt und in den unterschiedlichsten Materialien sind auch heuer wieder ausgestellt, liebevoll gesammelt und dekoriert von Bruder Anselm Hartmann.
"Ich sammle seit 22 Jahren", erzählt Bruder Anselm. 230 Exponate seien es mittlerweile aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Und nicht gekauft, betont der Missionsbenediktiner. Geschenkt und vererbt bekommen habe das Kloster die unterschiedlichen Krippen. Und Mitbrüder bringen von Reisen, aus den Missionen Weihnachtsdarstellungen mit, unter anderem Abtprimas Notker Wolf und Erzabt Jeremias Schröder. Ihm sei es wichtig, nicht irgendwelche für Touristen gefertigte Figuren zu bekommen, sondern Krippendarstellungen aus dem Volk, erzählt Bruder Anselm.
Und seine Kostbarkeiten stellt der Sakristan des Klosters dann in der Vorweihnachtszeit aus, überlegt sich, welcher Hintergrund, welche Hütte passt, sollte sie nicht schon vorhanden sein bei den Figuren. Und die Mitbrüder helfen mit ihren Fähigkeiten. Bruder Franz, ein Installateur, sorgte beispielsweise dafür, dass es bei der Krippe am Eingang plätschert und rauscht und sich ein Mühlrad dreht in der Voralpenkrippe, die Bruder Anselm mit Tuffsteinen und flackerndem Hirtenfeuer gestaltet hat. "Die Figuren sind von einem Münchner Künstler geschnitzt", erzählt Bruder Anselm, sie sei ein Primizgeschenk an einen Priester gewesen, das das Kloster erhalten hat. Der Mönch hätte die Krippe gerne offen und nicht hinter Glas ausgestellt, doch es seien in den vergangen Jahren bereits Figuren gestohlen worden.
Zedernholz duftete noch
Aus Gips mit Kleidern, deren Stoff mit Leim behandelt und dann bemalt wurde ist die Heilige Familie aus Spanien, die mit einem alten Castell umgeben wurde. Größere Farbigkeit entwickeln die verschiedenen lateinamerikanischen Darstellungen, kleine tönerne Indiofrauen sind es, die Bruder Anselm aus dem Kloster El Rosal aus Kolumbien erhalten hat. Bayerisch, beziehungsweise fränkisch wird es dann, Fachwerkhäuser und Winzerhäusl bilden hier den Hintergrund der geschnitzten Figuren. Oberammergauer Figuren stellen eine orientalische Krippe dar: die Heilige Familie mit Ochs und Esel in einer Höhle in der Wüste, zu der die Hirten pilgern. Aus dunklem Wachs sind die Dillinger Figuren. Groß und Ruhe ausstrahlend wirken die philippinischen Figuren aus einem warmen, mittelbraunen Ton. Sie kommen aus dem Kloster Digos. Aus Zedernholz ist eine Reliefschnitzerei aus Israel. "Als ich sie bekam, konnte man das Zedernholz noch riechen."
Stolz ist Bruder Anselm auch auf seine Marolin-Krippe. Sie stammt aus der ehemaligen DDR, der Familienbetrieb, der die Figuren schuf, sei schon zur vergangenen Jahrhundertwende gegründet worden. "So eine wollte ich schon als Bub haben", erinnert sich Bruder Anselm, doch die Figuren seien zu teuer gewesen. Die benachbarte Krippe aus dem Werdenfelser Land ziert als Hintergrund ein Poster des Karwendelpanoramas, ganz einfach präsentiert sich dagegen das vermutlich älteste Exponat. Sie sei in romanischem Stil gehalten, erzählt der Mönch, er schätzt, dass sie mindestens 200 Jahre alt sei. Nazarenerstil nennt sich die Art einer weiteren Grippe von 1903. Aus Papier ist eine tschechische Krippe. Die Benediktinerinnen aus Kellenried haben große Figuren gefertigt, Köpfe und Hände aus Wachs und verschiedene Gewänder. Und Bruder Anselm hat ihnen oben in dem kleinen Raum, der durch einen Treppe erreicht wird, viel Platz gegeben. Verkündigung ist hier das Thema, durch den Erzengel Gabriel sowohl im Hause Mariens als auch gegenüber den Hirten. Die Holzhäuser mit Schindeldach hat der Zimmerer, Bruder Arnim, gefertigt.
Schwarzes Hirtenvolk ist es bei der Krippe aus Ndanda in Tansania. Große Figuren treten hier auf, Wasserträger, Holzsammler mit Machete, Bananenbauer aber auch ein Bub mit Fußball sind auf dem Weg zum weißen Christuskind in der Wiege. Unterscheiden sich zwar die Hautfarben und die Trachten bei Volk in Afrika und Europa, die Art und Weise des Krippenaufbaus ist jedoch ähnlich, wenn auch in Afrika gerne noch Reliefe geschnitzt werden, wie Bruder Anselm erzählt. In Asien dominieren laut Bruder Anselm jedoch Scherenschnitt und Malerei.
Barock-Krippe wäre ein Traum
Papier gibt es freilich auch bei uns. Einen Ausschneidebogen einer der ältesten Bretterkrippen, die im Museum in Weilheim steht und die Kindheit Jesu darstellt, zeigt Bruder Anselm ebenfalls. Auch eine Papierkrippe im neapolitanischen Stil hat er hier. "Die gibt es auch figürlich aus Ton oder Holz im barocken, aufwendigen Stil bekleidet, eine solche in der Sammlung zu haben wäre mein Traum." Und ziemlich zum Schluss des hier nicht vollständig dargestellten Rundgangs zeigten sich noch einmal afrikanische Figuren mit den typischen hohen, schmalen Gestalten und eine Massai-Perlenstickerei auf Ziegenhaut mit einer Darstellung der heiligen Familie.
Stephanie Millonig
28. November 2004 – 30. Januar 2005
Mo. - Fr. von 10.00 - 12.00 und 13.30 - 17.00
Sa. + So. von 10.30 - 12.00 und 13.30 - 16.00