LANDSBERGER TAGBLATT
 
Eine "himmlische" Wehr wird 100 Jahre

St. Ottilien. - Eigentlich ist die Feuerwehr schon ein paar Monate älter, da die Gründung bereits am 20. Januar 1907 stattfand. Seit 100 Jahren und inzwischen sechs Monaten existiert im Kloster St. Ottilien eine Freiwillige Feuerwehr, die am Wochenende ihr rundes Jubiläum gebührend feiert. Mit 19 Aktiven ist sie zwar nicht besonders groß, aber durchaus weit bekannt, unter anderem war sie dem Feuerwehr-Magazin 1999 eine siebenseitige Reportage wert. Mehrere Feuerwehren aus der Umgebung werden der Klosterfeuerwehr die Ehre zu ihrem Jubiläum erweisen. Bis aus Sachsen werden Kameraden dem Jubiläum beiwohnen: Kommandant Andreas Haynert kommt mit einer Abordnung aus Ebersbach bei Döbeln. Weiter wird eine Gruppe aus Moers in Nordrhein-Westfalen anreisen.

Eigentlich ist die klostereigene Feuerwehr zum "Eigenschutz" ins Leben gerufen worden, da man auf dem Klosterareal hohe Gebäude stehen hat. Ein funktionierender Brandschutz ist heute vor allem wegen Exerzitienhaus (120 Betten) und Gymnasium (zirka 600 Schüler) erforderlich. Schon zwei Jahre nach Gründung bewies ein Großfeuer die Notwendigkeit einer eigenen Feuerwehr, da damals zwei Drittel der Ökonomiegebäude ein Opfer der Flammen wurden. Noch heute befinden sich die Feuerlöschgeräte aus der Gründungszeit im Besitz des Klosters. Zu der ersten Ausrüstung zählte damals eine Handspritze aus dem Jahre 1887, die vom Kloster Wessobrunn kam, und eine Holzdrehleiter aus dem Gründungsjahr 1907. Diese ist übrigens nach wie vor auf dem Klosterareal im Einsatz, aber nur noch zu Reparaturarbeiten.

Das Haupteinsatzgebiet ist die Autobahn

Wer meint, die Klosterfeuerwehr sei eine "idyllische Wehr" mit wenig Arbeit, täuscht sich. Ihr Haupteinsatzgebiet ist die A 96, wo sie mit Windach und Eresing zum Abschnitt zwischen Greifenberg und Landsberg-Ost alarmiert wird. Einer der schwersten Einsätze war am 1. Juni 1996, als zwei Busse aufeinander krachten. Ein Mensch starb, 19 weitere wurden verletzt.

1965 erhielt das Kloster mit einem TLF 16 das erste Fahrzeug im Landkreis, das mit Atemschutzgeräten ausgestattet war und in einem Umkreis von 40 Kilometern eingesetzt wurde. 1992 wurde das Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 als Ersatz angeschafft. Ein weiteres Fahrzeug der Klosterfeuerwehr ist eine Magirus-Drehleiter aus dem Jahre 1956, die 1985 von der Stadt Moers gekauft wurde.

Seit 6. Juni 2006 ist Bruder Anno Reuter Chef der Feuerwehr, der den langjährigen Kommandanten Bruder Benno Wolff ablöste, Zweiter Kommandant ist Bruder Daniel Felber. Überwiegend besteht die 19 Mann starke Mannschaft aus Brüdern und Patres. Auch drei Mitarbeiter des Klosters gehören zum Team. Seit 2002 ist Bruder Kornelius Wagner für die Feuerwehrseelsorge im Landkreis Landsberg zuständig.
 
 

 LT 11.07.2007 / Text: Alwin Reiter - Foto: Thomas Gampl

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