LANDSBERGER TAGBLATT
25. Juni 2008
Eindrucksvolle biblische Geschichten
"Historia Sacra" - die "Heilsgeschichte" gab der derzeitigen Ausstellung in der Klostergalerie Sankt Ottilien ihren Namen, der damit treffend beschreibt, was den Betrachter erwartet. Auf den erstmals zur Schau gestellten Gemälden aus dem Barock sind biblische Geschichten aus dem Leben Jesu thematisiert, aber auch Episoden aus dem Leben von Heiligen.Die Bilder befinden sich alle im Besitz der Erzabtei und stellen einen repräsentativen Querschnitt durch die großen Bildbestände dar. Normalerweise bleiben die barocken Werke zum großen Teil vor der Öffentlichkeit verborgen, da sie ihren Platz im unzugänglichen Klausurbereich des Klosters haben. Es wird angenommen, dass sie Säkularisationsgut sind, das von Sammlern erworben und später dem Kloster geschenkt wurde. Die meisten der Kunstwerke sind in gutem Zustand, einige von ihnen könnten allerdings eine Restaurierung vertragen.
Zum Teil blättert Farbe an den Rändern, zum Teil ist diese verblichen oder nachgedunkelt. Die Bildauswahl für die aktuelle Schau haben Pater Dr. Cyrill Schaefer (Sankt Ottilien) und Christian Schedler M.A. (Leiter des Kulturamtes der Stadt Mindelheim) getroffen.
Einer der Schwerpunkte sind Stationen im Leben Jesu, ein weiterer ist dem Heiligen Benedikt, dem Ordensgründer, und seiner Zwillingsschwester, der Heiligen Scholastika, gewidmet. Schedler führte bei der Vernissage in die Ausstellung ein und stellte dabei einige der Gemälde vor. Viele der Werke konnten noch keinem Künstler zugeordnet werden, wie Schedler ausführte.
Unter den bereits identifizierten Künstlern sind auch namhafte zu finden. Das Bild "Hl. Joseph mit Jesuskind" in einem reich geschnitzten, dunklen Rahmen hat beispielsweise Johann Baptist Baader, der "Lechhansl" geschaffen. Baader war in unserer Gegend bei vielen Kirchenausstattungen, Deckenmalereien und Fresken beteiligt.
Er hatte engen Kontakt zur so genannten "Wessobrunner Schule", zu der unter anderem Dominikus Zimmermann zu zählen ist. Ein weiterer bekannter Künstler ist Johann Evangelist Holzer, von dem "Benedikt schreibt die Regel" ist. Der gebürtige Südtiroler, der zum "fürst bischöflich-eichstättischen Hofmaler" ernannt war, hat unter anderem die mittlerweile zerstörten Deckenmalereien in der Kirche der Benediktinerabtei Münsterschwarzach geschaffen.
Zwei der Werke passen nicht in den vorgegebenen, christlich-heilsgeschichtlichen Rahmen. Eines davon konnte laut Christian Schedler brandaktuell und sicher dem Künstler Johann Heiss zugeordnet werden. Heiss ist ein bedeutender Vertreter des Augsburger Hochbarock, seine Werke sind unter anderem im Louvre in Paris und in der Eremitage (Sankt Petersburg) zu sehen.
Das in der Klostergalerie zur Schau gestellte, 1687 entstandene Werk "Mutius Scaevola vor Porsenna" sei "ein absoluter Fund", frohlockte der Kunstexperte Schedler. Das Motiv stellt römische Bürgertugenden dar, vor allem die des Mutius, der, um die Belagerung Roms durch den Etruskerkönig Porsenna zu beenden, seine Hand für Rom ins Feuer hält und sie verbrennen lässt. Das geflügelte Wort "seine Hand für etwas ins Feuer legen" hat übrigens seine Wurzeln in dieser Sage.
Ausstellung "Historia Sacra", Barockbilder aus dem Besitz der Erzabtei Sankt Ottilien ist bis zum 11. August in der Klostergalerie zu besichtigen: Montag bis Freitag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr; Samstag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr; Sonntag von 10.30 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr.
Text: Romi Löbhard (LT 25.06.2008)