LANDSBERGER TAGBLATT
10. März 2009

BENEDIKTINER IM LAND DER MORGENSTILLE

St. Ottilien. -  Andreas Jae-Kun Kim ist begeistert, als er in der Klostergalerie von St. Ottilien die historischen Aufnahmen aus seiner Heimat Waegwan entdeckt: „So etwas sehe ich heute zum ersten Mal“, freut sich der 72-jährige Deutsch-Koreaner. Kim gehört zum ersten Jahrgang, der 1955 die Schule der Missionsbenediktiner in ihrer südkoreanischen Abtei absolvierte. Heute lebt der Diplom-Ingenieur am Starnberger See und nach einem Rundgang durch die aktuelle Ausstellung „Im Lande der Morgenstille. 100 Jahre Missionsbenediktiner in Korea“ ist er sicher, dass die Mönche aus St. Ottilien in ihrem Missionsmuseum höchst wertvolle Gegenstände der Alltagskultur haben, die es ansonsten in seinem Heimatland kaum noch zu finden gebe: Zu viel sei durch den Koreakrieg und die kulturellen Veränderungen auf der bis heute geteilten Halbinsel verloren gegangen.

Die Ausstellung, die am Samstag eröffnet wurde, ist deshalb mehr als nur eine Rückschau auf das Wirken der Missionare aus St. Ottilien. Sie vermittelt auch Einsichten in die zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Korea. Die Halbinsel in Ostasien stand jahrhundertelang bis ins 19. Jahrhundert unter dem Einfluss Chinas, bis sich dort die aufstrebende Großmacht Japan etablierte, deren Kolonie Korea in der Zeit von 1910 bis 1945 war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Korea ein Hauptschauplatz des Kalten Krieges, der die staatliche Teilung zementierte.

Ein Jahr, bevor Korea unter japanische Herrschaft geriet, trafen die ersten beiden Ottilianer-Missionare in Korea ein. Dies war ein bemerkenswerter Schritt für die noch junge Mönchsgemeinschaft im Emminger Moos, hob Festredner Dr. Johannes Mahr hervor. Denn die damals erst etwa 50 Priester aus St. Ottilien waren einerseits vollauf in ihrem Missionsgebiet in Deutsch-Ostafrika beschäftigt und bauten andererseits in Deutschland neue Klöster auf, um ihre materielle und personelle Basis zu erweitern.

Monastisches Leben und Mission verbinden

Die Attraktivität des Korea-Projekts lag darin, dass sich Abt Norbert Weber erhoffte, hier monastisches Leben und Mission verbinden zu können. Mit den isolierten Stationen im afrikanischen Busch war dies noch nicht gelungen. Seinerzeit kursierten sogar Überlegungen, die Gemeinschaft von St. Ottilien ganz vom Benediktinerorden zu trennen. Die 1913 erfolgte Gründung der Abtei St. Benedikt in Seoul bot die Möglichkeit, die Entwicklung der Gemeinschaft unabhängig zu machen vom Geschehen in Afrika. „Erst jetzt wurde St. Ottilien zur Erzabtei und zum Zentrum einer Kongregation von Missionsbenediktinern“, hob Mahr die Bedeutung der Korea-Mission hervor.

Wichtig war die Mission in Ostasien auch für die liturgische Praxis. Als hierzulande die Eucharistie noch auf Latein und vom Volk abgewandt gefeiert wurde, wurden in den 1930er- und 1940er-Jahren im chinesischen Yenki der Altar in die Mitte der Kirche gerückt und die Messe in der Volkssprache gehalten.

In Korea hatten die christlichen Missionare (die ersten waren bereits im 18. Jahrhundert hierher gekommen) Erfolg wie in keinem anderen asiatischen Land - sieht man von den früh von den Spaniern kolonisierten Philippinen einmal ab. Heute bekennt sich etwa ein Viertel der Menschen in Südkorea zum Christentum, erzählt Andreas Jae-Kun Kim. Erzabt Jeremias Schröder sieht den Grund dafür auch im Temperament der Koreaner und schwärmt von ihrer „impulsiven Begeisterungsfähigkeit“, durch die sie „emotional ansprechbarer“ seien als ihre Nachbarvölker.

Genaue Dokumentationen von Land und Leuten

Doch die Missionsbenediktiner waren nicht nur eifrige Verkünder der christlichen Religion. Mit dem gleichen Eifer gingen sie auch daran, ihr Tun und ihr Einsatzgebiet zu dokumentieren. Für ihre Ausstellung konnte die Erzabtei auf einen riesigen Fundus von Fotografien und Filmen von Land und Leuten, ihren Kirchen und Klöstern, Schulen und Werkstätten zurückgreifen. Daneben interessierten sie sich auch für Kultur und Alltag ihrer Missionsgebiete und sammelten Kunst- und Gebrauchsgegenstände, die sich heute im Missionsmuseum in St. Ottilien befinden.

Ganz im Sinne dieses kulturellen Interesses der Missionare gestaltete sich auch das Programm zur Eröffnung der Ausstellung. Die Europäische Koreanische Frauengruppe aus München bot koreanische Speisen an und führte Tanz und Musik aus Korea vor.
 

Gerald Modlinger