LANDSBERGER TAGBLATT
29. Juni 2009
BIBLISCHE SZENEN
Sankt Ottilien. - Wie sehen heutige Künstler die biblischen Geschichten? Was bewegt sie und wovon werden sie inspiriert? Diesen Fragen können Interessierte in der aktuellen Ausstellung „Glaubens-Bilder“ der Klostergalerie Sankt Ottilien nachgehen. Zu sehen sind Bibelillustrationen von sieben zeitgenössischen Malern und ihre jeweils ganz eigene Vorstellung von biblischen Szenen. Der Windacher Franz Hämmerle führte bei der Vernissage hin an die Schau.
Er beleuchtete, warum Bilder gemalt werden müssen. „Kunst spiegelt auch geistig-religiöse Momente“, sagte der Bildhauer und sprach die Befürchtung aus, dass Menschen nicht mehr bildfähig seien. Der Grund: „Ein Staat, in dem die Kunst nicht mehr gefördert wird, geht unter.“ Hämmerle, Kunsterzieher am Rhabanus-Maurus-Gymnasium Sankt Ottilien, spielte damit auf derzeitige Praktiken an den Schulen an.
Eine persönliche Antwort
Bilder provozieren eine persönliche Antwort.“ Der philippinische Bischof Arturo M. Bastes (Foto oben) ging als Festredner auf Bilddarstellungen als Hilfsmittel für die Katechese ein. „Illustrationen bieten einen ‚Mehrwert’ zum gedruckten Text, können den Sinn oder überhaupt erst den Zugang zum Text erschließen.“ Bischof Bastes ist Moderator des Exekutivkomitees der Internationalen Katholischen Bibelföderation (KBF/CBF), die ihren Sitz von Stuttgart nach Sankt Ottilien verlegt hat (LT berichtete). Es freue ihn besonders, so Bastes, dass der Umzug der CBF im Rahmen der Ausstellungseröffnung bekannt gegeben werden könne. Schließlich sei es der Organisation ein Herzensanliegen, die toten Buchstaben der Bibel zum lebendigen Wort Gottes werden zu lassen, was nicht zuletzt auch durch den Einsatz von Kunst verwirklicht werde.
Die Künstler und ihre zur Schau gestellten Arbeiten
Helmut Ackermann: Von dem gebürtigen Memminger sind einige Radierungen zu „Simson“ zu sehen. Horst Böhm: In der Schau zeigt der aus Kronach stammende Professor für Malerei, Zeichnen und Grafik an der TU Darmstadt zwei großflächige Arbeiten in Acryl, die sich mit Geschichten aus dem Alten Testament beschäftigen. Annegert Fuchshuber: Sie arbeitete viele Jahre lang als freischaffende Illustratorin, die auch eigene Texte verfasste. Eine Auswahl von Bildern aus der Neukirchener Kinderbibel sind von der vor zehn Jahren bereits verstorbenen Künstlerin zu sehen. Sieger Köder: Die „Tübinger Bibel“ hat der pensionierte Priester, der ursprünglich Silberschmied lernte, in Stuttgart Malerei und Kunstgeschichte studierte, sowie 11 Jahre lang an einem Gymnasium unterrichtete, mit Drucken illustriert. Zwei davon werden in Sankt Ottilien vorgestellt. Josua Reichert: Er lebt seit 1972 als freischaffender Künstler in Stephanskirchen. Er beschäftigt sich viel mit Schriften und Buchstaben, er stellt einige Einzelblattdrucke mit hebräischer Schrift aus. Renate Seelig: In der Hauptsache sind es Märchen- und Sagenbücher, denen die in Frankfurt lebende Künstlerin, die auch schon bei der ZDF-Sendung „Löwenzahn“ mitwirkte, ihren Stempel aufgedrückt hat. Die gezeigten Arbeiten sind aus dem Buch „Die große Kinderbibel“. Volker Stelzmann: Der emeritierte Professor für Grafik hat eine Vorliebe für Menschendarstellungen, ja ganze Menschenansammlungen, was auch in der Galerie zum Tragen kommt. Emil Wachter: Einige ausgestellte Porträtstudien (Alugrafie) aus der „Singener Trilogie“ lassen den Künstler als Menschenkenner erahnen.
Romi Löbhard
GLAUBENS-BILDER
Bibelillustrationen
Helmut Ackermann, Horst Böhm, Annegert Fuchshuber, Sieger Köder,
Josua Reichert, Renate Seelig, Volker Stelzmann, Emil Wachtervom 27. Juni 2009 - 27. September 2009
in der Galerie Sankt Ottilien
Mo. - Fr. von 10.00 - 12.00 und 13.30 - 17.00 Uhr
Sa. + So. von 10.30 - 12.00 und 13.30 - 16.00 Uhr