EIN
SOMMER IN
 

P. Eduardo 
López-Tello García OSB

MONTE
IRAGO
 

(MONTE IRAGO -
SPANIEN)

Am 2. Februar 2001 wurde das Kloster San Salvador von Monte Irago am spanischen Pilgerweg nach Santiago gegründet. Sein Ziel ist die Betreuung der Pilger, die zum Grab des Apostels Jakobus wallfahren. Diese Aufgabe scheint zunächst schwierig in einer Zeit, in welcher der Glaube in Westeuropa rapide zurückgeht. Erstaunlicherweise ist die Erfahrung der Pilger genau gegenteilig: auf ihrem Weg nach Santiago treffen sie immer wieder auf die Gegenwart Gottes, auch wenn das zu Beginn ihrer Wanderung oft gar nicht so beabsichtigt war. Ich möchte hier kurz erklären, auf welche Weise wir solche persönlichen Erfahrungen der Pilger in christliche Erfahrungen umzuwandeln versuchen.

Alle, die sich auf den Weg nach Santiago machen, sind sich in einem Punkt einig: die Wallfahrt (welche viele von der französischen Grenze aus antreten, also 800 km bewältigen müssen) verändert. Wer den Weg antritt, wird in allen Bereichen neue Erfahrungen machen. So ändern sich zunächst die Zeit- und Raumwahrnehmung. Im Alltag haben Zeit und Raum dank der modernen Kommunikationsmöglichkeiten ihre natürlichen Grenzen verloren. Für den Pilger dagegen bleibt eine Stunde eine Stunde, ja oft kommt sie ihm sehr lange vor, wenn er müde und das Ziel noch weit ist. Auch ein Kilometer bleibt ein Kilometer, der Schritt für Schritt gegangen werden muss. Denn auf dem Pilgerweg kann man weder auf einen ICE noch auf Flugzeuge zurückgreifen. Auch führt die Müdigkeit, der Hunger, der Schlafmangel, die Einsamkeit, das Schweigen dazu, dass unter den Pilgern sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Der Pilgerweg verändert also die Wahrnehmung in einer ganz natürlichen Weise. Solche Erfahrungen können für eine echte Gottesbegegnung öffnen. Unvermittelt entdecken wir unbekannte Tiefen in uns, die vom künstlichen Lebensstil der modernen Gesellschaft zugeschüttet waren. Es brechen Leerräume auf, die danach schreien, gefüllt zu weren. Es fragt sich, mit was. Wir Mönche von Monte Irago versuchen die Menschen im Gespräch zu einem Punkt zu führen, an dem sie den Pilgerweg als eine Offenbarung, eine Mitteilung Gottes an sie verstehen.

Natürlich zwingen wir diese Deutung niemand auf. Wir vertrauen darauf, dass Gott selber sich vernehmbar macht. Wenn die Pilger in Rabanal eintreffen, also noch 230 km Weg bis Santiago vor sich haben, dann finden sie unsere romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert immer geöffnet. Meistens kommen sie um die Mittagszeit in Rabanal an, waschen sich, essen und ruhen etwas aus, um dann abends an unserer gesungenen Vesper teilzunehmen. Dies ist die Stunde Gottes. Der Pilger, der sich unterwegs von allem gelöst hat, was das moderne Leben an Ablenkungsmöglichkeiten bietet, kann im Psalmengesang der Vesper die Stimme Gottes über die Jahrtausende hinweg vernehmen. Die folgende Bibellesung und die Fürbitten nehmen wir dann in Spanisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch vor, so dass die meisten Anwesenden die Kernbotschaft der liturgischen Feier verstehen.

Nach der Vesper kann man an einer Eucharistiefeier teilnehmen, in die deutsche und englische Teile eingebaut sind, oder aber bei einem der Mönche zu beichten oder auch nur sich einfach zu unterhalten. Oft laden wir auch Pilger ein, mit uns zu essen und sich mit uns zu unterhalten. Ein ungewöhnliches Ereignis war es, als 20 Gäste in unserem kleinen Refektorium unterkommen mussten: irische Studenten vom Trinity College in Dublin.

Auf jeden Fall lassen solche Eindrücke positive Erfahrungen zurück, die für viele die Begegnung mit dem Herrn erleichtert.
 
 

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