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Am vergangenen Freitag starb in München nach schwerem Leiden unser lieber Mitbruder

P. Edmund Wörishofer OSB,

Profeßjubilar, Tanzania-Missionar und Missionsprokurator der Kongregation von St. Ottilien. Er war 77 Jahre alt.

Florian Wörishofer kam am 13. Mai 1920 in Oberdießen als Sohn des Bäckermeisters Franz Wörishofer und seiner Frau Maria, geb. Schelkle, zur Welt. Von den zwölf Kindern der Familie gingen ihm zwei Brüder nach St. Ottilien voraus: Br. Rogatus (+ 1969) und Br. Germanus, der heute in Peramiho lebt. Florian besuchte zunächst das Missionsseminar in St. Ottilien und trat nach dem Abitur 1940 ins Kloster ein, wo er den Klosternamen fr. Edmund erhielt. Die Aufhebung des Klosters durch die Gestapo am 17. April 1941 unterbrach sein Noviziat. Nach einigen Monaten in der Abtei Scheyern wurde er im Juli 1941 zur Wehrmacht eingezogen und an der Ostfront eingesetzt. 1943 verwundeten ihn Granatsplitter am Kiefer und am Handgelenk; nach 10 Monaten im Lazarett - auch in St. Ottilien - wurde er Ende 1944 in den Westen geschickt, wo er bei Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft geriet.

Nach der Freilassung kehrte er ins Kloster zurück, begann noch einmal das Noviziat und legte am 9. September 1946 die Gelübde ab. Er studierte in Dillingen und München. Am 6. August 1950 weihte ihn der Apostolische Vikar von Eshowe (Südafrika), Bischof Aurelian Bilgeri OSB, in St. Ottilien zum Priester.

P. Edmund wurde für die Peramiho-Mission im Südwesten Tanzanias bestimmt und traf dort nach einem kurzen Englandaufenthalt 1952 ein. Abt-Bischof Eberhard Spieß machte den jungen Pater zu seinem Sekretär. Gleichzeitig war er Kaplan der Klosterpfarrei von Peramiho und betreute zwei Jahre lang die Station Magagura. In diesen Aufgaben bewies P. Edmund unter anderem großes Organisationstalent und so wurde er 1959 nach St. Ottilien zurückgerufen, um sich in die Arbeit der Missionsprokura einzuarbeiten. Das Generalkapitel 1960 ernannte ihn zum Prokurator der Kongregation.

Dieses Amt versah er fast 30 Jahre lang mit Energie, Umsicht und Hingabe. Seine Aufgabe war es, für das Wohlergehen unserer Mitbrüder in übersee zu sorgen und die Entwicklung der Missionsgebiete, Diözesen, Klöster, Stationen, Schulen und Hospitäler materiell zu unterstützen. Sehr viele Projekte der kirchlichen Aufbauarbeit und Entwicklungshilfe gingen durch seine Hände: im Kontakt mit den großen Hilfswerken und vielen Spendern sicherte er die Finanzierung und begleitete die Durchführung, um eine gute Verwendung der Gelder zu sichern und jederzeit Rechenschaft geben zu können. Zugute kam ihm dabei sein Verwaltungsgeschick, sein nüchterner Blick und seine Unbeirrbarkeit. Von ideologischen Verwerfungen kaum berührt, war P. Edmund zeitlebens ein streitbarer Verteidiger aller Missionsbelange.

In seine Amtszeit fielen revolutionäre Umbrüche: die Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien in Afrika, die übergabe der kirchlichen Verantwortung in einheimische Hände, die Neuorientierung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auch die Prokura-Arbeit wandelte sich: von fürsorgender Betreuung zu partnerschaftlicher Unterstützung neuer Ortskirchen, des einheimischem Klerus und der neu-entstandenen Klostergemeinschaften. P. Edmund half mit, diesen Wandel zu meistern.

P. Edmunds Arbeit und sein Leben verlor nie die Mitte. Er stand treu zur Gemeinschaft und verrichtete beispielhaft und unermüdlich bis zuletzt seinen Chordienst. In seiner Arbeit sah er sich nicht so sehr als Manager, sondern als Treuhänder. Immer blieb deutlich sichtbar, daß es ihm zuerst um den Glauben an Jesus Christus ging.

Wie tief dieser Glaube reichte, erlebten wir während seines letzten schweren Leidensweges. Hoffnungsvoll und dankbar starb er am 20. Juni im Johannes-Hospiz der Barmherzigen Brüder in München.

Wir bitten für unseren lieben Mitbruder ums Gedenken im Gebet und am Altar. St. Ottilien, 22. Juni 1997

Erzabt Notker Wolf OSB
und der Konvent von St. Ottilien