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Heute, am Nachmittag des 11. Mai 1998, starb gegen 13.00 Uhr unser lieber Mitbruder

Br. Orlando Ott OSB

friedlich in der Krankenabteilung von St. Ottilien. Er stand im 94. Lebensjahr.

Benedikt Ott wurde am 26. Februar 1905 dem Landwirtsehepaar Anton und Mathilde Ott in Bollstadt bei Nördlingen geboren und wuchs dort mit 7 Geschwistern auf; vier weitere starben schon im Kindesalter. Zunächst absolvierte er die Volksschule und machte dann eine Schreinerlehre, nach deren Ende er einige Jahre umherzog und sich bei mehreren Arbeitgebern verdingte. Dabei erreichte ihn der Ruf Gottes zum Klosterleben und 1926 trat er "nach ziemlich langer überlegung und langem Kampfe" in St. Ottilien ein. Als Novize erhielt er den Hl. Orlando zum Namenspatron. Am 11. Oktober 1928 legte er die Zeitlichen Gelübde ab und machte einige Monate später auch die Meisterprüfung im Schreinerhandwerk. Die Klosterschreinerei wurde nun sein Arbeitsfeld.

Der Krieg unterbrach dieses geordnete Leben. Br. Orlando wurde schon im August 1939 eingezogen und leistete Wehrdienst in der Hohen Tatra, in Skandinavien, Rußland und Ungarn. Im Herbst 1944 erlitt er - inzwischen Unteroffizier - einen Lungendurchschuß. Nach mehreren Verlegungen gelangte er in das Reservelazarett, das damals im aufgehobenen St. Ottilien bestand und wo etliche Mitbrüder versorgt wurden. Hier blieb er bis Kriegsende. Im ehemaligen Kornspeicher - heute Teil der Bibliothek - ist auf einem Balken sein Name in großen Lettern und mit dem Vermerk "15.4.1945" noch verewigt.

1949 wurde Br. Orlando nach Sant'Anselmo in Rom ausgeliehen, wo er 20 Jahre lang wirken sollte. Die kleine römische Werkstatt, in der er freier als in St. Ottilien schalten und walten konnte, mag seinem Bedürfnis nach Selbständigkeit entgegengekommen sein. Viele Möbel im Haus zeugen dort bis heute von seinem Fleiß, seiner hohen Kunstfertigkeit und seiner Stilsicherheit. Das Chorgestühl der Primatialabtei wurde nach seinen Entwürfen und Modellen zu Beginn der 50er Jahre angefertigt.

Nach einer schweren Krankheit wurde Br. Orlando 1969 ins österreichische Stift Fiecht versetzt, das sich einige Jahre zuvor der Kongregation der Missionsbenediktiner angeschlossen hatte. ähnlich wie in Rom konnte er auch dort ein weites Aufgabenfeld übernehmen. Dabei wuchs ihm nach und nach das zum Stift gehörige Felsenkloster St. Georgenberg mit seiner Wallfahrt und dem Gästehaus besonders ans Herz. Er kümmerte sich dort um alle praktischen Dinge, von Tischlerarbeiten bis hin zu den Installationen. Seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen und auch sein Alter schienen von ihm abzufallen: noch mit über 80 Jahren konzipierte und überwachte er die Errichtung eines kleinen E-Werks im steilen Bergtal.

Br. Orlando war von trockener Art, bestimmt und klar, schlagfertig und auch kämpferisch. Im Chordienst und in der Treue zu den Gelübden war er unerschütterlich, dabei aber dankbar für die Selbständigkeit, die seine Arbeit ihm verschaffte. Die Mitbrüder konnten sich in jeder praktischen Not auf ihn verlassen.

1994 kehrte er, inzwischen fast 90jährig, in sein Profeßkloster zurück. Bis zuletzt geistig und körperlich rege, verbrachte er die Tage seines hohen Alters mit Beten und Briefeschreiben. Gestern ließen seine Kräfte nach und heute schlief er friedlich ein.

Br. Orlando war ein treuer Mönch und guter Mitbruder. Wir bitten für ihn ums Gedenken im Gebet und am Altar.

St. Ottilien, 11. Mai 1998

Erzabt Notker und Konvent von St. Ottilien
Abt Anselm und Konvent von Fiecht

Requiem und Beerdigung hielten wir in St. Ottilien am Mittwoch, 13. Mai, um 14