Am 14. August, kurz nach Mitternacht, starb in der
Krankenabteilung von St. Ottilien unser lieber Mitbruder
Br. Romulus Rothdach OSB
Zululandmissionar, Profeß- und Missionsjubilar:
Kaspar Rothdach kam am 15. August 1911 in Oberschönegg bei Illertissen
zur Welt. Sein Vater, der Sattlermeister Hermann Rothdach, fiel im Ersten
Weltkrieg und so wuchs Kaspar in der neuen Familie seiner Mutter Theresia,
geb. Neher, beim Landwirt Xaver Merk auf. Bis 1924 besuchte er die Volksschule
seines Heimatortes und begann 1927 eine Schmiedelehre. Noch vor deren Abschluß
trat er in St. Ottilien ein, begann 1929 das Noviziat und schloß
gleichzeitig seine Handwerksausbildung ab. Ein Jahr später machte
er die Zeitliche Profeß.
Die sich verdüsternden Verhältnisse in Deutschland beschleunigten
dann seine Missionsausreise. 1934 brach er ins Apostolische Vikariat Zululand
in Südafrika auf. Br. Romulus arbeitete zunächst in Inkamana,
das während seiner langen Missionszeit in Südafrika von einer
Missionsstation zur Benediktinerabtei heranwuchs. Br. Romulus führte
dort alle Schmiede-, Spengler und Mechanikerarbeiten aus. Bald wurde
er für seine Vielseitigkeit berühmt und bewährte sich auch
als Lehrmeister für die Buben der Missionsschule.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er, wie alle nach 1934
eingereisten Missionare, interniert. Br. Romulus nutzte die Zeit der erzwungenen
Untätigkeit, um Afrikaans zu lernen und sein Englisch zu verbessern.
Mit seinem feinen Humor machte er die Zeit im Gefangenenlager auch für
andere erträglicher, bis er 1941 wieder freigelassen wurde.
1943 versetzten ihn die Oberen nach Nongoma, wo sich das große
Benediktinerhospital im Bau befand. 34 Jahre lang wirkte er hier. Alles,
was mit Technik zu tun hatte, wurde sein Aufgabengebiet. Auch die Stromversorgung
für das rund 1000 Seelen zählende Missionsdorf richtete er ein.
Nach der Übernahme des Hospitals durch den Staat wurde Br. Romulus
1977 nach Mbongolwane versetzt, wo er trotz einer fortschreitenden Nervenlähmung
alle anfallenden Wartungs- und Reparaturarbeiten für die Mission und
das dortige Krankenhaus übernahm. Manchmal konnte er sich nur noch
auf Krücken fortbewegen, aber er blieb stets hilfsbereit und hatte,
trotz aller Schmerzen, stets ein gutes Wort und ein Lächeln auf den
Lippen. Dieses Lächeln war vielleicht das Wahrzeichen unseres Br.
Romulus.
Als Mönch war Br. Romulus treu und pflichtbewußt. Selbst
bei großer Arbeitslast blieb er ruhig und gesammelt. Er las gern
und interessierte sich für alles, was um ihn herum geschah. Gern spielte
er Schach und genoß gelegentlich ein Glas Wein oder eine Zigarre.
Mehrfach bereiste er Afrika, bis zum Kongo, durch die Kalahari und nach
Zimbabwe.
Seine Krankheit hatte sich schließlich so weit verschlimmert,
daß er sich im November 1996 zur Rückkehr nach St. Ottilien
entschloß, wo eine bessere medizinische Versorgung gewährleistet
war. Bis zum Tag vor seinem Tod nahm er an den Mahlzeiten im Refektorium
teil und grüßte, wie jeden Tag, die Mitbrüder bei der Rollstuhlfahrt
durchs Kloster.
Br. Romulus schrieb einmal: „Der Schöpfer gibt die Ruhe, dieser
große Meister. Er steht an unserer Wiege. Er steht an unserem Grab.“
Seine Freundlichkeit und Gelassenheit, die aus diesem Vertrauen und dieser
Zuversicht kam, war für uns ein Geschenk.
Wir bitten für unseren lieben Mitbruder ums Gedenken im Gebet
und am Altar.
St. Ottilien, 15. August 1998
Erzabt Notker und Konvent von St.
Ottilien
Requiem und Beerdigung halten wir in St. Ottilien am 17. August
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