Am Heiligabend
1998, kurz vor Beginn der Mette, starb in Ndanda unser lieber Mitbruder
Br. Fortunat Mayer OSB.
Er war Profeß- und Missionsjubilar und stand im 92. Lebensjahr.
Johann Baptist Mayer kam am 22. Juni 1907 in Schrattenbach bei Dietmannsried
im Allgäu zur Welt. Seine Eltern, der Zimmermann und Landwirt Georg
Mayer und seine Frau Josefa, geb. Koch, hatten noch vier weitere Kinder,
von denen ein Sohn im ersten Lebensjahr starb. Eine Tochter trat später
bei den Missionsbenediktinerinnen in Tutzing ein und ist bis heute in Südafrika
tätig.
Johann Baptist erlernte nach dem Besuch der Volksschule den Zimmererberuf.
1927 entschloß er sich zum Klostereintritt in St. Ottilien
und machte 1929 die zeitliche Profeß. In den folgenden Jahren besuchte
er die Gewerbeschule in München und erhielt 1932 den Meisterbrief
als Zimmermann. Noch im gleichen Jahr wurde er nach Ostafrika ausgesandt,
in die neuerrichtete Territorialabtei Ndanda im Südosten des heutigen
Tanzania. Seine erste große Aufgabe wurde der Bau der dortigen Abteikirche,
den er als Architekt und Baumeister ausführte. Er verstand sich auf
baustatische Berechnungen und sein Rat und seine Unterstützung wurden
auch für andere Großbauten in den benediktinischen Missionsgebieten
eingeholt.
1947 übersiedelte er in das Klostergut Sakharani in der Diözese
Tanga, inmitten der Usambara-Berge. Sein Aufgabengebiet war auch hier bereits
vorgezeichnet: unzählige Kirchen, Konvents-, Schul- und Wirtschaftsgebäude,
Tageskliniken, Viehställe usw. entwarf Br. Fortunat in den nächsten
Jahrzehnten, organisierte und überwachte den Bau und auch die Ausstattung.
Wohl sein größtes und eindrucksvollstes Werk ist die Kathedrale
von Tanga, ein großes Oktogon mit Platz für über 1000 Leute.
Durch die Ausbildung von Maurern, Zimmerern und Schreinern schuf er eine
Handwerkskultur, die sich bis heute weiter fortpflanzt. Seine Mitarbeiter
und deren Schüler sind an vielen Orten Tanzanias als tüchtige
Handwerker tätig. Sie sind der bleibende Nachruhm Br. Fortunats, der
im Volk als Bwana Fundi, als „der Meister“ lebendig ist.
Neben der Bauleitung übernahm Br. Fortunat auf der kleinen Station
Sakharani auch andere technische Aufgaben: den Aufbau von Elektro- und
Wasserinstallation, die Betreuung von Turbinen und Generatoren. Auch bei
anderen Orden war seine Hilfsbereitschaft und sein Geschick immer wieder
gefragt.
Das alles war eingebettet in sein freundliches, ruhiges und bescheidenes
Wesen. Im Chor fehlte er nie und auch nicht in der Rekreation; er war einfach
da, selbst dann noch, als er schon im Rollstuhl fahren mußte.
Nach fast fünfzig Jahren im Norden kehrte er krank und altersschwach
nach Ndanda zurück und fand in der Pflegeabteilung der Tutzinger Schwestern
Heim und Pflege. Hier ließen seine Kräfte allmählich nach.
In den letzten Monaten empfing er mehrmals die Krankensalbung und entschlief
dann still und gottergeben am Heiligen Abend, kurz vor Beginn der Mette.
So wurde Weihnachten für ihn zum Ostertag. Er möge ruhen in Frieden.
Ndanda und St. Ottilien,
26. Dezember 1998
Abt Siegfried und die Mitbrüder von
Ndanda
Erzabt Notker und die Mitbrüder von
St. Ottilien
In St. Ottilien halten wir das Requiem für Br. Fortunat
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