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In den frühen Morgenstunden des 15. Februar 1997 verschied in der Krankenabteilung von Peramiho nach kurzem Krankenlager unser lieber Mitbruder

P. Gotthard Braumüller OSB

P. Gotthard wurde am 9.8.1924 in Egling a. d. Paar geboren, woher auch unser vor einer Woche verstorbener P. Alanus Wörle stammte. Seine Eltern Franz und Emma Braumüller (geb. Englschall) zogen acht Kinder groß; zwei Töchter gingen zu den Stern-Schwestern in Augsburg, darunter die jetzige Generaloberin der Kongregation.

Seine Gymnasialzeit in St. Ottilien, Dillingen und Augsburg wurde durch den Krieg unterbrochen, und erst nach der Heimkehr aus amerikanischer und französicher Gefangenschaft konnte er 1946 das Abitur machen. Im selben Jahr trat er ins Kloster ein und legte am 8. September 1947 die ersten Hl. Gelübde ab. Am 29. März 1952 erhielt er in St. Ottilien die Priesterweihe. Ein Jahr später, nach Erlangung des theol. Lizentiates in München, ging P. Gotthard nach London, um dort das Colonial Teacher's Diploma zu erwerben und einen Kurs in Bauzeichnen zu belegen. So bestens vorbereitet, erhielt er am 9. September 1956 die Missionsaussendung nach Peramiho.

Entsprechend seiner Vorbildung wurde P. Gotthard gleich im Schuldienst eingesetzt, in den Jahren 1956 bis 1968. Zunächst war er stellvertretender Schuldirektor, dann Schulinspektor für alle Schulen des weiten Missionsgebietes. Noch größere Verantwortung kam auf ihn zu, als er im Jahr 1961 die Leitung der Oberschule von Kigonsera übernahm mit Hunderten von Schülern. Unter P. Gotthards Leitung hatte diese Schule hohes Ansehen bezüglich Bildung, Schuldisziplin und Verantwortungsbewußtsein von Lehrern und Schülern. Als die Leitung dieser Schule 1968 in afrikanische Hände überging, half P. Gotthard für ein Jahr in der Prokura und Finanzabteilung von Peramiho aus. Schließlich siedelte P. Gotthard im Mai 1969 in das neue Bischofshaus von Songea über, wo er dann 28 Jahre lang bis zu seinem Tod im Dienst der jungen afrikanischen Diözese stand, vor allem als Prokurator, als Verwalter der Finanzen und schließlich als Experte im Entwurf und Zeichnen von Bauplänen für die vielen Neubauten der Diözese.

Zweifellos ist P. Gotthard ein Stück Missionsgeschichte. Unbestreitbar sind seine Verdienste für unsere Abtei und Songea. Für den äußeren Aufbau der jungen afrikanischen Diözese von Songea setzte er seine ganzen Fähikeiten ein. Im bautechnischen Bereich erwies er sich als geschickter Planer und Organisator. Viele Skizzen und Pläne für Kirchen, Schulen, Wohnhäuser, Seminarbauten, Pfarrheime, Klosterbauten etc. sind in seinem Arbeitszimmer entstanden. Erstaunlich war vor allem auch sein Arbeitstempo. Er hatte auch einen besonderen Sinn für das Mögliche, Machbare und Praktische. So wurde z.B. das unter seiner Regie für den Papstbesuch von 1990 errichtete Podium hinterher als Fundament für die Erweiterung der Taubstummenschule verwendet.

Seine Beziehungen zu öffentlichen Stellen und zur Regierung waren korrekt. Von stattlicher Figur, sicher und furchtlos im Auftreten und weltgewandt, schlagfertig in Wortgefechten, fiel es ihm nicht schwer, auch heikle Verhandlungen zu führen und dabei oft auch seine Pläne durchzusetzen. Dabei kümmerte er sich weniger um die Spielregeln der Diplomatie, vielmehr war seine Verhandlungsweise meist direkt, spontan und offen. Im Umgang mit den Menschen, auch mit seinen Mitbrüdern, war er nicht gerade zimperlich mit kritischen Bemerkungen. In seiner Offenheit macht er sich auch wenig Mühe, seine kritischen äußerungen näher zu differenzieren.

Alle diese wuchtigen Charakterzüge, die sicherlich nicht von Härten frei waren, wie auch die Gefahr, im Management seines weiten Arbeitsbereiches zu versinken, wurden durch seine übrigen menschlichen Qualitäten ausgeglichen bzw. gemildert. P. Gotthard hatte ein Herz für die Nöte seiner Mitmenschen. Sein Arbeitszimmer war gewöhnlich bis in die Nachmittagsstunden hinein von Armen und Bittstellern buchstäblich belagert. Sein Humor war erfrischend und befreiend, wie auch seine Herzlichkeit und Unkompliziertheit, die nichts Verdrucktes an sich hatte und auch bei schärferen Auseinandersetzungen nichts nachtrug. Bei all seiner Stellung und Verantwortung blieb er bescheiden und stellte sich selber nicht in den Mittelpunkt. Künstlerische Fähigkeiten zeigten sich vor allem im Malen. Eine Reihe von Kirchen und Kapellen wurden durch seine Malereien bzw. Bilder ausgeschmückt.

Der Beruf und die Arbeitsaufgaben unseres P. Gotthard brachten es natürlich mit sich, daß P. Gotthard gewisse Freiheitsräume beanspruchen mußte, die für ein klösterliches und geistliches Leben im engeren Sinn nicht selbstverständlich sind. Doch war P. Gotthard auch als Ordensmann und Priester unverkennbar. Oft leistete er Sonntagsaushilfen, vor allem auf den Außenposten der Stationen Namabengo und Matimira, oder half bei den Sonntagsgottesdiensten und im Beichtstuhl in der Kathedrale von Songea mit. Er liebte es, den Ordenshabit zu tragen und nahm regelmäßig am gemeinschaftlichen Gebet mit dem Erzbischof und den erzbischöflichen Offizialen teil. Für viele Jahre - bis zu seinem Tod - war er auch Mitglied des Seniorates unserer Abtei und ließ sich fast jede Woche in unserer Abtei sehen. Gerade durch diese Bindung an unsere Gemeinschaft wurde er zu einem glücklichen Bindeglied zwischen Erzdiözese und Abtei. Wir bitten um ein Gebetsgedenken für ihn.

Peramiho und St. Ottilien, 15. Februar 1997

Abt Lambert und Konvent von Peramiho
Erzabt Notker und Konvent von St. Ottilien

Requiem und Beerdigung von P. Gotthard finden am Montag, 17. Februar 1997 in Peramiho statt; Requiem in St. Ottilien am Mittwoch, 26. Februar 1997, um 11.30 Uhr.