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Zum Choral aus St. Ottilien
Te Deum aus St. Ottilien

 
Geschichte des benediktinischen Mönchtums
Benedikt von Nursia (480 - 547?) steht in der Tradition des frühen Mönchtums. Es gab bereits eine Vielfalt von Formen und Lebensordnungen, die Benedikt aufgriff und verarbeitete, als er im 6. Jahrhundert seine Mönchsregel schrieb. Daher ist er nicht eigentlich als Ordensgründer zu betrachten.
 

Mönchtum vor Benedikt

Die Bezeichnung “Mönch”, die sich von griechisch “monachos” = der “Alleinlebende” herleitet und ursprünglich jeden asketisch lebenden, um Vollkommenheit ringenden Christen meint, taucht zuerst im Psalmenkommentar des Eusebius von Caesarea (260/65-339/40) und bei Johannes Kassian (+435) in den “Unterredungen der Väter” (Conlationes Patrum) auf. Mönchtum gibt es auch im vor- und außerchristlichen Raum; das Judentum kannte ebenfalls Asketengemeinschaften (Qumran).

Trotz aller Verbindung zu der allgemein religiösen Erscheinung hat das christliche Mönchtum einen neuen Ansatz- und Zielpunkt. Der Jüngerkreis Jesu ist Urbild jener Form der Nachfolge. Das Mönchtum wurzelt also im Evangelium. Mt 10,37ff; 16,24ff; 19,11ff; 19,16-26 u.a. nennen die Bedingungen der Nachfolge Jesu Christi. Alle Mönchsväter haben daher die freiwillige Gütergemeinschaft, die in Gebet, in der Liebe und im Frieden Christi geeinte Urgemeinde von Jerusalem vor Augen (vgl. Apg 2,42ff; 4,32ff), wenn sie ihre Regel schreiben.

Auf die apostolische Zeit berufen sich die Mönche in der Zukunft immer wieder. Sie wollen das “apostolische Leben” (vita apostolica) führen. Die weltabwertende Haltung des frühen Mönchtums knüpft an der Naherwartung der Wiederkunft Christi an, die in der Urkirche lebendig war (1 Kor 7,25-35).

Entscheident für die Entwicklung des christlichen Mönchtums war Origenes (185/86-254), der den Kampf gegen Schwächen und Leidenschaften dem gegen Dämonen gleichsetze und die Eremiten, die in der Wüste, dem Ort der Versuchung Jesu (Mt 4,1ff), Leidenschaften, Angst und Dämonen niederrangen, Mitkämpfer Christi gegen den Satan und wahre Nachfolger der Märtyrer nannte.

Antonius (+356) von Ägypten, der bei der Verkündigung des Evangeliums von dem reichen jungen Mann (Mt 19.16-26) seine Berufung empfing und in die Einsamkeit ging, gilt als “Vater” der Eremiten (von griechisch eremos = Wüste). Durch die von Athanasius von Alexandrien (+373) verfasste Lebensbeschreibung (vita) des Antonius wurder das Ideal des Eremitentums weit verbreitet.

Der Begründer des eigentlichen klösterlichen Lebens ist Pachomius (+346), der das Leben in Gemeinschaft (griechisch koinos, bios), das Zönobitentum, über das Eremitentum stellte. Pachomius schuf die Grundlage einer ersten Mönchsregel, die Gehorsam gegen den Abt, Keuschheit, Verzicht auf Privateigentum und Pflicht zur Arbeit fordert. Bald gab es literarisch gebildete Mönche: Es entstanden Biographien, moralische Traktate und andere Schriften. Man sammelte auch die Aussprüche (Apophthegmata) berühmter Mönche.

Seit etwa 370 fasste das Mönchstum im Abendland Fuß. Vor allem übte die von Evagrius Pontikus (um 357) verfasste lateinische Übersetzung der Vita des Antonius starken Einfluß aus (vgl. Augustinus, Confessiones VIII,6). Das Mönchtum fand eifrige Förderer: in Rom Hieronymus (345-420), der die Regel des Pachomius in lateinischer Übersetzung weitergab, dazu Mahnworte des Mönchsvaters und Briefe; in Mailand Ambrosius (333-397).

Durch das Exil des Athanasius in Trier (335-346) kam das Mönctum über die Alpen: Athanasius wurde von zwei Mönchen begleitet. In Gallien wurde das Mönchtum von Martin von Tours (+396/97) und seit 415 von Johannes Kassian (+435) gefördert: die einsamen Inseln vor der Küste Südgalliens (vgl. das Kloster Lerinum, Lerins) boten Ersatz für die Einsamkeit der Wüste. Johannes’ Schriften “De institutis coenobiorum” (Einrichtungen der Klöster) und “Conlationes patrum” (Unterredungen der Väter) waren für das Mönchtum von großer Bedeutung. Sie handeln über Lebensordnungen und Regeln in Klöstern, Gebetsübungen, Gottesdienstordnungen und geistliche Führung.

Als “vorbenediktinische Regel” sind außerdem zu nennen und werden in ihrer Bedeutung immer stärker erkannt: die von Benedikt genannte “Regel unseres heiligen Vaters Basilius” (Basilius d. Gr., 330-379, Bischof von Caesarea in Kappadokien), die Regel Augustinus (Aurelius Augustinus, 354-430, Bischof von Hippo) und die sogenannte “Magisterregel”.
 

Benedikt von Nursia (480-547?)

Weltgeschichtliche Bedeutung erlangt das Mönchstum durch Benedikt von Nursia und seine Gründung von Monte Cassino (529?), vor allem aber durch seine Regel. Bei Benedikt sammelt und verdichtet sich der Traditionsstrom aus Ägytpen, Syrien, aus dem griechischen Kleinasien, aus Nordafrika, Südgallien und dem Jura. Dies erklärt die innere Kraft der Regel Benedikts. Er hat jedoch Akzentverschiebungen von großer Tragweite vorgenommen, indem er zum Beispiel führende asketische Übungen zugunsten eines neuen Arbeitsethos zurücktreten ließ. Die Verwurzelung Benedikts in der spirituellen Überlieferung der noch ungeteilten Christenheit erklärt zum großen Teil die kaum zu überschätzende Wirkung seiner Regel im Abendland. Sie ist das Basisdokument des westlichen Mönchtums und Ordenslebens. Sie ist auch die Lehrmeisterin der jungen germanischen Völker geworden.

Bei Benedikt findet sich erstmals die Verpflichtung zur stabilitas (Beständigkeit), die gegen das Gyrovagentum (Wandermönchtum) seiner Zeit gerichtet ist. Er gibt dem Gotteslob dem Vorrang, dann folgen lectio divina (geistliche Lesung) und Arbeit. Sein prägendes Leitwort ist: “Damit in allem Gott verherrlicht werde” (RB 57,9). 577 wurde Montecassino von den Langobarden zerstört. Die Mönche flohen nach Rom. Entscheidend für Benedikts Werk, für die Ausbreitung seines Gedankenguts war Papst Gregor der Große (+604), der im zweiten Buch seiner Dialoge das Leben Benedikts überliefert.
 

Benediktinisches Mönchstum in der Karolingerzeit

Bonifatius (672/73-754) und seine Gefährten - aus England kommend - führten weite Gebiete des Festlandes (Franken, Thüringen, Friesland usw.) endgültig zum Christentum und banden die jungen Kirchen an Rom. Bonifatius führte auf dem soganannten Concilium Germanicum (21.04. = Ostern 742) gegen die iroschottischen Wandermönche die Benediktregel für Mönche und Nonnen ein, die schließlich nach einer Zeit der Mischregelobservanz auf der Synode von Aachen (817) durch Benedikt von Aniane (+821) und durch Karl den Großen (um 742-814) endgültig für das gesamte Karolingerreich Verbindlichkeit erlangte.
 

Reformbewegungen und Blütezeit vom 10. bis 12. Jahrhundert

Die Lebenskraft benediktinischen Geistes zeigte sich in Wiedererstarken und neuer Blüte nach Zeiten des Niedergangs. In Cluny (gegr. 910) wurde durch die Äbte Berno, Odo, Majolus, Odilo, Hugo und Petrus das Mönchsleben durch die Befolgung der Regula Benedicti wieder erneuert. Ein ungeahnter äußerer Aufschwung ließ Cluny zu einem Machtzentrum werden mit dem Recht der freien Abtswahl. Mehr aber noch wirkte es durch die besondere Stellung der Liturgie und seine monastisch-asketischen Grundsätze. Zur Zeit der cluniazensischen Reform sind die Klöster Gorze (Oberlothringen), Brogne (bei Lüttich) und Hirsau (im Schwarzwald) monastische Reformzentren.

In Italien ist im 11./12. Jahrhundert eine eremitische Bewegung lebendig. Sie führt zu den benediktinischen Zweiggründungen der Kamaldulenser durch Romuald von Ravenna (+1027), Vallumbosaner durch Johannes Gualbert von Florenz (+1073), Olivetaner durch Bernard Tolomei von Siena (+1348) und andere.

Unter den Reformgruppen, die sich zu einem eigenen Orden entwickelten, übertraf im 12. Jahrhundert alle an religiöser Kraft und Einfluß die Bewegung der Zisterzienser, die durch Bernhard von Claivaux (+1153) ihre eigentliche Form und Stoßkraft erhielt. Ihr Ideal richtete sich gegen Cluny; sie betonten die “wörtliche Beobachtung” der Benediktregel unter Hinweis auf Einsamkeit, Armut, Handarbeit und persönliches Gebet. Auch der Gottesdienst sollte mit großer Einfachheit gefeiert werden. Die Zisterzienser leben nach der Regula Benedicti, erweitert durch die “Charta caritatis”.
 

Missstände und Reformversuche im späten Mittelalter

Das späte und ausgehende Mittelalter zeigte trotz geistiger Höhe einerseits schwere Verfallserscheinungen und wirtschaftlichen Niedergang der Klöster. Von den Reform-Konzilien von Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1443) gingen wichtige Impulse für das benediktinische Mönchtum aus. Benediktineräbte trafen sich 1417 in der Abtei Petershausen bei Konstanz. Die Benediktregel sollte wieder voll beobachtet werden. Es entstanden Reformen im benediktinischen Geist, durch das Wirken der Bursfelder Kongregation (1439) und der Reformabtei von Kastl in der Oberpfalz, deren bedeutendster Vertreter Johannes von Kastl war; ebenso wurden Melk an der Donau, St. Matthias zu Trier, das Schottenkloster in Wien u.a. Träger einer benediktinischen Reform.
 

Die Bildung von Kongregationen - 
Von der Reformation bis zur Säkularisation

Die Reformation brachte schwere Verluste für alle Orden, jedoch kein Absterben des mönchischen Ideals. - Die dritte Sitzungsperiode des Konzils von Trient (1545-63) befaßte sich mit der Reform des Klosterlebens und des Gottesdienstes. Am 04.12.1563 wurde beschlossen, daß die Klöster sich zu Kongregationen zusammenschließen sollten. In Italien war schon St. Justina in Padua durch Ludwig Barbo (+1443) zum Mittelpunkt einer Kongregation geworden, die sich seit dem Beitritt von Montecassino (1504) cassinesische Kongregation nannte. Die Verfassung der Kongregationen war bei den einen mehr zentralistisch (z.B. bei den romanischen Völkern), bei den anderen mehr föderalistisch (z.B. bei den Deutschen). Generalkapitel und regelmäßige Visitationen wurden allgemein eingeführt. Das Noviziat als Prüfungszeit mußte ernst genommen werden. Erst jetzt wurde die Annahme eines sogenannten Ordensnamens in den meisten Kongregationen übernommen.

Im deutschsprachigen Raum spielte die Bursfelder Kongregation die bedeutendste Rolle. 1602 entstand die schweizerische, 1603 die schwäbische, 1629 die österreichische, 1684 die bayerische Kongregation. In Frankreich bildete sich 1621 die Maurinerkongregation, die durch Studien und wissenschaftliche Arbeiten nachhaltigen Einfluß ausübte. Aus ihr gingen bedeutende Werke der Theologie, des Kirchenrechts, der Ordens- und Liturgiegeschichte hervor. Das schuf einen neuen Klostertyp, der auch im Deutschland der katholischen Barockkultur seine Nachahmer fand: St. Blasien, Weingarten; in der Schweiz St. Gallen, Einsiedeln; in Österreich Melk, Kremsmünster, Salzburg u.a. Der berühmteste Mauriner ist Jean Mabillon (+1707), der gegen den Gründer der Trappisten, Le Bouthillier de Rance (+1700), das Studium als einen ausgezeichneten Weg monastischen Vollkommenheitsstrebens verteidigte. De Rance lehnte unter Berufung auf die Benediktregel und das ursprüngliche Ideal der Zisterzienser geistige Arbeit ab und ließ nur Handarbeit in harter Buße und in ständigem Schweigen zu.

Der Höhepunkt der Entwicklung, die zu gewaltigen Klosteranlagen mit prachvollen Kirchen geführt hatte, zum Beispiel Ottobeuren, Ettal, Fulda u.a., zu neuer Besinnung auf das monastische Ideal mit gewissenhaftem Chorgebet, harter Askese und ernster geistiger Arbeit, war um 1750 überschritten. Danach drang die Aufklärung auch in die Klöster ein und lähmte das religiöse Leben. Das allgemeine Unverständnis für klösterliches Leben lag im Zug der Zeit. Der inneren Aufweichung folgte die äußere Katastrophe: in Frankreich brachte die Revolution von 1789, in Österreich die Josephinische Reform ab 1780 und in Deutschland die Säkularisation von 1803 fast sämtlichen Klöstern den Untergang. Auch in der Schweiz, in Spanien, Portugal, Brasilien und Polen wurden die Klöster aufgehoben. Doch konnten in der Schweiz, in Österreich und in Italien einige Klöster weiterbestehen. In ihnen regte sich bald neue Lebenskraft.
 

Die Neubelebung des benediktinischen Mönchtums im 19. und 20. Jahrhundert

Mit der Wiederbesiedlung des Klosters Metten und anderer Abteien durch König Ludwig I. von Bayern wurde die alte Bayerische Kongregation wiederhergestellt und 1858 kanonisch bestätigt. Von Bayern aus trug Bonifatius Wimmer (+1887) benediktinisches Leben nach Nordamerika. Hier entstand aus St. Vincent (1846) die amerikanisch-cassinesische Kongregation (1855), während die durch die Schweizer Abteien Einsiedeln und Engelberg gegründeten Klöster (seit 1854) die schweizerisch-amerikanische Kongregation bildeten (1881). Nach dem spanischen Klostersturm von 1835 zog Rosendo Salvado nach Westaustralien und errichtete 1846 New Norcia.

Zwei neue Kongregationsbildungen in Frankreich und Deutschland, die von ehemaligen Weltpriestern ausgingen, sollten von besonderer Bedeutung werden: 

Prosper Gueranger (+1875) gründete 1833 Solesmes. Das führte zur Bildung der französischen Kongregation (1837). Seine monastischen und liturgischen Impulse gingen weit über seine Kongregation und Frankreich hinaus. Er stellte den feierlichen liturgischen Gottesdienst in den Mittelpunkt und lehnte alle äußeren Aufgaben ab. Größte Bedeutung erlangte die Abtei durch die Erforschung und Pflege des gregorianschen Chorals. Solesmes knüpfte mit der starken Betonung des Kultes an das alte Clunyazensertum und mit der Liebe zur Wissenschaft an die Maurinertradition an.

Von Don Gueranger waren die Gründer der Beuroner Kongregation am nachhaltigsten beeinflußt. Die Priester Maurus (+1890) und Plazidus (+1908) Wolter waren in die Abtei St. Paul in Rom eingetreten. 1860 wurden sie von Papst Pius IX. ausgesandt, um außerhalb Bayerns in Deutschland das benediktinische Mönchtum wiederherzustellen. Sie begannen 1863 in dem ehemaligen Augustinerkloster Beuron. Maurus Wolter wollte - wie Don Gueranger - Leben und Frömmigkeit von der Liturgie her geformt wissen. Seine monastischen Ideale legte er in den “Elementa vitae monastecae” nieder. Doch anders als Don Gueranger erklärte Wolter neben der Pflege der Wissenschaft und der Kunst auch die seelsorgliche Tätigkeit als mögliche klösterliche Aufgabe. Nicht nur die heute zur Beuroner Kongregation gehörenden Klöster sind direkt oder indirekt von Beuron ausgegangen, sondern es stammen zum Beispiel die belgischen Abteien, die sich nach dem ersten Weltkrieg zu einer eigenen Kongregation zusammenschlossen, von Beuron ab. 

Auch die Missionsbenediktiner von St. Ottilien sind von einem Beuroner Mönch, Andreas Amrhein, 1884, gegründet worden. Er griff eine frühe benediktinische Tradition wieder auf: die Weitergabe des Glaubens an Nichtchristen. 1887 sandte er zum ersten Mal Mönche nach Afrika; später gingen sie auch nach Korea, in die Mandschurei, nach Südamerika und auf die Philippinen. Damit verbunden war die Gründung der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing.

1888 wurde in Rom die Benediktiner-Hochschule Sant’ Anselmo eröffnet. 1893 schlossen sich auf Wunsch von Papst Leo XIII. die benediktinischen Kongregationen zu einer Konföderation zusammen, an deren Spitze der Abtprimas steht. Er wird von den Äbten auf Zeit gewählt. Der Abtprimas vertritt die Klöster der Konföderation an der römischen Kurie und leitet das Studienkollig S. Anselmo. 

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert erfolgte die Gründung zahlreicher Klöster. Die biblische und liturgische Bewegung wurde weitgehend von Benediktinern getragen. Die Zeit des Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg brachten vielen Klöstern Bedrückung, Aufhebung und Zerstörung. Auch Montecassino fiel Bombenangriffen zum Opfer. Unmittelbar nach dem Krieg kam es zu zahlreichen Eintritten in vielen benediktinischen  Gemeinschaften.